Horst Röhrig (SPD) kann in seine vierte Amtszeit starten. Die Langgönser haben ihren Bürgermeister am Sonntag mit deutlichem Vorsprung wiedergewählt. 59,7 Prozent der Wähler sprachen sich für Röhrig aus. Auf Herausforderer Hans Noormann (Grüne) entfielen 40,3 Prozent der Stimmen.

"Ein wunderbarer Abend": Der hessische SPD- Chef Thorsten Schäfer- Gümbel (vorne links) hat sich mit dem wiedergewählten Bürgermeister Horst Röhrig (vorne rechts) gefreut.
Als strahlender Sieger erscheint Röhrig gegen 19 Uhr auf der Empore im Langgönser Rathaus. Alle Ortsteile hat er gewonnen, in Espa und seinem Heimatort Niederkleen hat er jeweils 72,6 Prozent geholt. In Lang- Göns, dem Wohnort von Gegenkandidat Noormann, fuhr Röhrig sein schwächstes Ergebnis ein, hat aber trotzdem immer noch mit 55,5 Prozent die Nase vorn. Röhrigs Gesamtergebnis fällt sogar um gut drei Prozentpunkte besser aus als vor sechs Jahren. Damals hatte er 56,6 Prozent geholt, Gegenkandidat Martin Hanika fuhr damals 43,4 Prozent ein.
Entsprechend gefeiert wird Röhrig am Sonntagabend von seinen Langgönser Genossen und vom hessischen SPD- Chef Thorsten Schäfer- Gümbel, der zum Wahlabend nach Langgöns gekommen ist. Einer der ersten Gratulanten ist aber auch der unterlegene Hans Noormann. Er lächelt. Aus seiner Enttäuschung macht der 57- Jährige aber keinen Hehl. "Es hat nicht gereicht", sagt er, "damit muss man klarkommen." 40,3 Prozent seien "nicht prickelnd". "Möglicherweise ist das Wählerpotenzial, für das ich angetreten bin, nicht so konsequent zur Wahl gegangen", versucht er eine Erklärung. Zu seiner politischen Zukunft will Noormann sich an diesem Abend nicht äußern. Er müsse schauen, ob er seine Rolle als Fraktionschef der Grünen im Parlament weiterführe. Dem wiedergewählten Röhrig wünsche er, "dass es ihm gelingt, dass er wenigstens einen Teil der Erwartungen, die meine Wähler hatten, erfüllen kann".
Mit Noormann habe die Koalition den Bürgern eine "ehrliche, glaubwürdige Alternative" geboten, zieht Jürgen Knorz, Chef der CDU- FDP- Fraktion im Parlament Bilanz. "Ich glaube, wir haben gut gekämpft." Das Ergebnis werde die Koalition aber akzeptieren. "Wir werden die Geschicke der Gemeinde weiterhin zum Wohle der Bürger prägen", sagt Knorz. "Ich hatte gehofft, dass es mit der parlamentarischen Arbeit leichter wird - nun muss man aber davon ausgehen, dass der aktuelle Stil fortgesetzt wird", so Knorz. Dem wiedergewählten Röhrig wünsche er "eine glückliche Hand für die nächsten sechs Jahre".
Während die Langgönser FDP- Chefin Barbara Fandré auf Nachfrage zu keiner Stellungnahme bereit ist, verspricht der stellvertretende Grünen- Fraktionschef Michael Buss eine "konstruktive Zusammenarbeit" mit Röhrig. Die Situation im Parlament mit dem SPD- Bürgermeister auf der einen und der Mehrheit der Jamaika- Koalition auf der anderen Seite bringe für den Bürger Transparenz. Auf diese Weise kämen Themen auf den Tisch, die in anderen Parlamenten gar nicht diskutiert würden. Dabei richtet Buss den Blick auch nach vorn: "In sechs Jahren ist wieder Bürgermeisterwahl."
Die Koalition kündigt eine konstruktive Zusammenarbeit im Parlament an
Tatsächlich werden 2018 die Karten in Langgöns neu gemischt. Denn der 59- jährige Bürgermeister Röhrig macht noch an diesem Abend klar, dass er kein fünftes Mal antreten werde. Er sei "froh und dankbar" über das aktuelle Wahlergebnis. Immerhin habe er einen Vorsprung von gut 800 Stimmen, das Ergebnis sei deutlich und besser als vor sechs Jahren. Im Wahlkampf habe er sich bemüht, Ziele für die Zukunft zu beschreiben. "Ich bin froh, dass die Bevölkerung das so sieht, dass ich weitermachen kann." Für die Arbeit im Parlament bedeute das Wahlergebnis: "Alle Akteure bleiben einander erhalten." Die Zusammenarbeit sei dabei in den letzten Monaten bereits "verhältnismäßig entspannt" gewesen, so Röhrig. Viele Dinge seien einvernehmlich abgearbeitet worden.
Das "tolle Ergebnis" zeige die hohe Akzeptanz Röhrigs bei den Bürgern, kommentiert SPD- Chef Gerald R. Dörr den Wahlausgang. Ausgezahlt habe sich, dass die SPD "keine schmutzige Wäsche" im Wahlkampf gewaschen, sich nicht auf den Gegenkandidaten, sondern die Leistungen und Ziele Röhrigs konzentriert habe. Grund für die vergleichsweise niedrige Wahlbeteiligung - vor sechs Jahren lag sie noch bei 57,7 Prozent - sei möglicherweise, dass die Koalition einen Grünen- und keinen CDU- Kandidaten ins Rennen geschickt habe.
Der hessische SPD- Chef Thorsten Schäfer- Gümbel sieht Röhrigs Ergebnis als Bestätigung für dessen Arbeit. Obwohl die Jamaika- Koalition es Röhrig schwer gemacht habe, habe der seine Linie durchgezogen und sei nun mit einem sehr guten Ergebnis belohnt worden. "Ich hoffe, dass daraus einige Gemeindevertreter lernen", so Schäfer- Gümbel.
Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung vom 03.12.2012