v.l.: H.Röhrig,K.Tromsdorf,Dr.Schmidt, T.Schmidt,G.R.Dörr,K.H.WilhelmBeim Neujahrsempfang des SPD - Ortsvereins Langgöns kündigte Bürgermeister Horst Röhrig vor zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Vereinen eine erneute Kandidatur als Bürgermeister an. Erster Vorsitzender Gerald R. Dörr sagt ihm dabei die Unterstützung der Langgönser SPD zu.
"Ich bin 2013 noch keine 60 und zum Frührentner tauge ich nicht so richtig. Von daher möchte ich noch eine vierte Amtszeit draufsetzen. Ich werde mich auf jeden Fall darum bemühen und möchte mich dafür bewerben,“ der Langgönser Bürgermeister Horst Röhrig nutzte den Neujahrsempfang der SPD Langgöns am Freitagabend dafür, die Katze aus dem Sack zu lassen. Nachdem in Parteikreisen bereits seit einiger Zeit „gemunkelt“ wurde, dass Röhrig, der seit rund siebzehneinhalb Jahren vom Chefsessel im Langgönser Rathaus aus die Verwaltung leitet noch einmal antreten wolle, ist es jetzt amtlich: der 58-Jährige tritt noch einmal zur Wahl an. Er glaube, dass es noch genug spannende Themen in Langgöns gebe, zu zu beraten, zu entscheiden und vor allem auch umzusetzen seien. Ihm mache es „eigentlich immer noch Spaß“ das zu tun. Wenn die Wähler das auch so sehen, könne er vielleicht auch bei den nächsten Neujahrsempfängen als Bürgermeister ein Grußwort reden. Zuvor hatte Hüttenbergs Bürgermeister a.D., Dr. Manfred Schmidt, als Hauptredner skizziert, welchen Herausforderungen sich die Gemeinden in der Größenordnung von Langgöns und Hüttenberg sich zu stellen haben.
„Wir wissen seit mehr als 30 Jahren das unsere Bevölkerung schrumpft,“ so Dr. Manfred Schmidt. Dies habe angesichts der nüchternen Zahlen aus den Einwohnermeldeämtern Konsequenzen. Während die Einwohnerbilanz in Hüttenberg noch ausgeglichen sei, rechne man für Langgöns mit einem Rückgang von zwei bis drei Prozent bis zum Jahr 2030. Ohne Zuwanderung werde dieser Rückgang noch stärker. Mit dieser notwendigen Zuwanderung werde die Gesellschaft auch bunter. Diese Bevölkerungsbewegung sei regional unterschiedlich und von verschiedenen Faktoren abhängig. Dabei stelle sich heraus, dass Gemeinden mit verkehrsgünstige Lage besser da stünden als nicht so günstig liegende Kommunen. Spiele beispielsweise heute noch das Autobahnnetz eine große Rolle, werden es in Zukunft die Datenautobahnen sein, die ausschlaggebend sind, sich als Unternehmen aber auch als Privatmensch in einer Gemeinde anzusiedeln.
Gewinner dieser Entwicklung seien zweifelsohne die Großräume München, Hamburg, Berlin aber auch das Rhein-Main-Gebiet. Dieser „Abstimmung mit den Füßen“ könne nicht allein mit Geld entgegnet werden, sagte der Bürgermeister a.D.. „Es müssen Investitionen, die aus Steuermitteln getätigt werden, überdacht werden.“ Dies gelte auch für Investitionen aus den Privathaushalten. Langgöns wie auch Hüttenberg profitierten aus der Nähe zum Rhein-Main-Gebiet und profitierten aus der guten bis sehr guten verkehrsgünstigen Lage, um die sie andere Bürgermeister beneideten. Hüttenberg habe nichts außer die Autobahn. Und diese sei Garant für den noch ungebrochenen Zuzug in der Gemeinde. Dennoch könne auch Hüttenberg dem demographischen Faktor nicht entgehen.
„Wir müssen Rahmenbedingungen setzen, die einer Zuwanderung dienlich ist,“ so Schmidt. Dies sei eine Aufgabe, der man sich in der Kommune stellen müsse. Hüttenberg zum Beispiel habe sich vorgenommen einen Zuwanderungsgewinn von 40 Menschen jährlich zu halten. Die Lange der Gemeinde Langgöns mit seiner Anbindung an die A45, die A485 und an die Eisenbahnlinie sehe er noch günstiger an als Hüttenberg.
Langgöns gehöre nach einer aktuellen Studie der Bertelsmannstiftung als einzige Umlandgemeinde zum Typ 7, zu den „prosperierenden Städten und Gemeinden des ländlichen Raums“ Hüttenberg dagegen gehöre zum Typ 3, zu den „suburbanen Wohnorten mit rückläufiger Wachstumserwartung“. Dies tue weh, vor allem dann, wenn man gerade zwölf Jahre als Bürgermeister hinter sich habe und dann „so eine Bewertung kriegt“.
Für Langgöns sei nach der Studie das Potenzial für eine positive Entwicklung gegeben. Jetzt sei es die Aufgabe der Kommunalpolitik dieses Potenzial auch zu nutzen. Bürgermeister und Gemeindevertreter seien dazu gewählt worden die Wettbewerbsfähigkeit ihrer eigenen Gemeinden zu sichern. Die finanzielle Entwicklungsfähigkeit ergebe sich aus einer gesunden Bevölkerungsentwicklung. Für viele Gemeinden bedeute weniger Bürger auch weniger Steuereinnahmen. Das Geheimnis sei, sofern das Potenzial vorhanden sei, die Öffnung für die Neubürger. Deshalb sei er zum Beispiel der Forderung von einzelnen politischen Gruppierungen nach Verzicht auf neuen Baugebieten entgegengetreten. „Wir brauchen den Zuzug qualifizierter Neubürger.“
Damit einher gehe ein günstiges Investitionsklima. Langgöns habe hieran schon seit längerem erfolgreich gearbeitet und biete Gewerbeflächen an und habe in den vergangenen Jahren einige sehr gute Unternehmen und Betriebe angesiedelt. Dies sei nicht nur wichtig für die Ansiedlung von Arbeitsplätzen sondern die Gemeinde spüre dies auch bei der Gewerbesteuer, die als einzige nennenswerte Steuereinnahme, die die Kommunen selbst zu verantworten hätten. Deshalb sei es in Hüttenberg immer sein Ziel gewesen, die Einnahmen aus der Gewerbesteuer durch Ansiedlung potenter Unternehmen zu erhöhen. Diese Ansiedlung von Unternehmen sei eine der vordersten Aufgaben der Kommunen, die allerdings auch durch den Regierungspräsidenten gefördert werden müsse. Im Gegensatz zu Südhessen, das eine angebotsorientierte Gewerbepolitik betreibe, herrsche in Mittelhessen über die Regionalplanung eine restriktive Gewerbepolitik, die immer wieder Abweichungsverfahren notwendig mache. Ansiedlungen seien „im Süden Hessens leichter zu machen als bei uns,“ kritisierte Dr. Manfred Schmidt. Zudem bräuchten Kommunen bezahlbares Bauland, das neben der Infrastruktur Anreiz für viele junge Familien sei, sich in einer Gemeinde nieder zu lassen.
Zuvor hatte SPD-Vorsitzender Gerald R. Dörr die zahlreichen Gäste begrüßt und in seiner Rede sich kritisch mit den aktuellen Ereignissen bestimmter Politiker auseinander gesetzt. Er warnte vor einem Verfall politischer Sitten und Moral mit der Folge einer weiteren Politikmüdigkeit.
Quelle: Text (auszugsweise) und Bild Langgönser Landbote