SPD in Langgöns

Zukunft gemeinsam gestalten!

Absage an die Atomenergie beim Neujahrsempfang der Langgönser SPD-Pfarrer Eberhard Klein referierte-Mehr als 100 Gäste

Veröffentlicht am 18.01.2010 in Presse

v.l. G.Dörr, K.Tromsdorf, H.Röhrig, Pfarrer Eberhard Klein, Dietlind Grabe-Bolz, T.Schmidt, K.H.Wilhelm

Zum traditionellen Neujahrsempfang des SPD-Ortsvereins Langgöns konnte 1. Vors. Gerald R. Dörr über 100 Gäste im Bürgerhaus Lang-Göns begrüßen, darunter zahlreiche Vertreter örtlicher Gewerbebetriebe, Vereine und Organisationen sowie Vertreter der Gemeinde- und Kreispolitik. Als Redner hieß er Pfarrer Eberhard Klein, Geschäftsführer der Jugend-Kultur-Kirche "Sankt Peter" in Frankfurt am Main, früher Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Lang-Göns herzlich willkommen. Unter den Ehrengästen weilte auch Gießens neue Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz.

Seine einführenden Worte widmete Dörr dem Thema "Umwelt", denn es habe in der Zwischenzeit nichts an Bedeutung verloren. Der von der neuen Bundesregierung geplante "Ausstieg vom Ausstieg" und die aktuelle Entwicklung um das Endlager Asse ließen die Atomenergie wieder stärker in den Fokus rücken: "Die Mehrheit der Menschen in Deutschland will den Ausstieg aus der Risikotechnologie Atomkraft", so Dörr. Er betonte, dass auch Mittelhessen in der latenten Gefahr eines Atomunfalls stünde: »Wenn es in Biblis zu einem Super-Gau kommen würde, wäre aufgrund der viel höheren Dichte der Bevölkerung mit mehreren Zigtausend Toten, mit Hunderttausenden von Kranken und mit mehr als 3 Millionen zu evakuierenden Menschen zu rechnen«, so Dörr.

Als Gastredner des Neujahrsempfangs hielt Pfarrer Eberhard Klein ein flammendes Plädoyer gegen die Gewinnung von Energie aus Atomkraftwerken. Der Mitbegründer des Arbeitskreises »Leben nach Tschernobyl« der evangelischen Jakobus-Kirchengemeinde sagte, dass seiner Ansicht nach Atomkraftwerke weder einen wesentlichen Beitrag zur Abmilderung des Klimawandels leisten könnten, sie nicht wirtschaftlich arbeiteten und die Gefahren, die von Atommeilern ausgehen, nicht verantwortbar seien. Das von der Energiewirtschaft seit einiger Zeit angeführte Argument, dass durch den Betrieb von Atomkraftwerken die weltweit jährliche Menge von CO2-Emissionen in erheblichem Maße verringert werde, sei Augenwischerei: »Die Gewinnung von Strom mit Atomkraftwerken ist nur eine Technik der großen Industrienationen. Hier stehen etwa 70 Prozent aller Atomkraftwerke.« Dennoch bleibe deren Anteil an der weltweiten Primärenergieerzeugung äußerst gering. Zudem beginne seit Jahrzehnten der Stagnation der bestehende Atomkraftwerkspark zunehmend zu veralten, stammen die heute in Betrieb stehenden Kraftwerke zumeist aus den 1970er Jahren.

Um das heutige Niveau der Erzeugung von Atomstrom aufrecht erhalten zu können, müssten in den kommenden zwei Jahrzehnten mehrere Hundert Kraftwerke erneuert werden. Wer sich für die Atomkraft ausspreche müsse auch gleichzeitig die Frage der Sicherheit stellen, so Klein. »Bei einem Unfall können ganze Landstriche unbewohnbar werden. Welche fatalen Folgen ein solcher Unfall hat, konnten wir vom Arbeitskreis ›Leben nach Tschernobyl‹ bei unseren zahlreichen Besuchen in Borispol, nahe des Atomkraftwerkes Tschernobyl, sehen. Die Verstrahlung der Ukraine und Weißrusslands in einer Größenordnung der fünf neuen Bundesländer ist unvorstellbar«, so der Pfarrer. Auch seien die Unfälle in den bundesdeutschen Atomkraftwerken ein Zeichen dafür, dass diese Technologie auch heute noch nicht beherrschbar sei. Selbst bei weiteren technischen Verbesserungen, ließe sich eine vollständige Sicherheit nicht erreichen, denn die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik stelle einen potenziellen Risikofaktor dar. Klein stellte in seinem Vortrag zudem die Wirtschaftlichkeit in Frage. »Während die Kosten für Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien laufend geringer werden, bleibt der Finanzbedarf zur Errichtung von Atomkraftwerken nach wie vor auf hohem Niveau«. Deshalb könnten die Energieunternehmen den Ausbau des Netzes von Atomkraftwerken nur mit erheblichen staatlichen Subventionen vornehmen. Schließlich seien die wirtschaftlichen Folgen eines Unfalls so groß, dass sie von dem Verursacher nicht getragen werden könnten. »Das Risiko wird praktisch vollständig von der Gesellschaft getragen, von allen Bürgern, von Kindern und Kindeskindern«.

Zudem sei die Frage der Endlagerung von Atommüll nicht geklärt und führe innerhalb der Bevölkerung immer wieder zu Protesten. Zudem führe der Ausbau zum Beispiel von Anreicherungsanlagen wie im Iran zu erheblichen weltpolitischen Spannungen. »Die Technik der Atomenergie übersteigt die Fähigkeit des Menschen zur Verantwortungsübernahme. Ein Fehler kann bedeuten, das über Hunderttausende von Jahren die Natur und mit ihr nachfolgende Generationen erheblich beeinträchtigt wird. Deshalb ist die Erzeugung von Atomenergie mit der christlichen Ethik nicht vereinbar.« Insgesamt sei das »Risiko der sogenannten friedlichen Nutzung der Atomenergie« nicht hoch genug einzuschätzen. »Wo Menschen die Machbarkeit aller Dinge für möglich halten, kommt die Schöpfung, der Mensch und die Mitwelt unter die Räder. Deshalb muss jede Art des selbstsicheren und auch unsicheren Spiels mit dem Strahlenfeuer aufhören.« Es gebe Alternativen: Mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Kraft-Wärme-Kopplung und nicht zuletzt durch Energiesparen könnten zusammen mit der Reduzierung des Stromexportes Atomkraftwerke in Deutschland weitgehend ersetzt werden. Mit dem Arbeitskreis »Leben nach Tschernobyl« kämpfe man mittlerweile seit 20 Jahren für eine Welt ohne Atomkraft und leiste humanitäre Hilfe zur Selbsthilfe in Borispol. Waren in Millionenwert und tatkräftige Hilfe hätten die Not in Borispol verringern können und finde dort vor Ort Anerkennung. Innerhalb dieser 20 Jahre seinen zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht worden. Sei es die Kleiderkammer, die Nähstube oder die Unterstützung des Borispoler Krankenhauses, in dem mittlerweile niemand mehr nach Hause geschickt würde, weil dessen Ausstattung zum Beispiel nicht für Operationen reiche. Weitere Projekte wie der Aufbau einer Aidshilfe seien geplant, so Klein.

Musikalisch wurde der Neujahrsempfang sehr ansprechend von jungen Musikern der Musikschule "musikPLATZ" unter Leitung von Evelyn Ratz umrahmt. Für das leibliche Wohl der Gäste hat in bewährter Form das Team um Renate Müll gesorgt.