„Mittelhessen ist eine Region, in der es viele Chancen gibt, und es ist eine Region, die erkannt hat, dass in der politischen Zusammenarbeit die Zukunft liegt. Leider hat das die hessische Landesregierung noch nicht erkannt und deshalb können die Chancen nicht so genutzt werden, wie es eigentlich möglich wäre.“ Mit diesen Worten fasste die SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am 27.Januar, Andrea Ypsilanti die regionalpolitische Situation in Mittelhessen zusammen. Ypsilanti sprach am Samstag vor den rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die aus dem Vogelsberg-, dem Wetterau-, dem Lahn-Dill-Kreis, den Landkreisen Gießen, Marburg-Biedenkopf und Limburg-Weilburg und den Städten Gießen, Marburg und Wetzlar zur SPD-Mittelhessenkonferenz in die Gießener Kongresshalle gekommen waren.
Die Chancen lägen vor allem in der hohen Dichte von Bildungs-, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen, in den Möglichkeiten der wissenschaftlich-technologischen Innovation und des Wissentransfers sowie in der Stärkung der Entwicklungspotentiale des ländlichen Raumes. Hier stehe die Sicherung des Bildungsangebots und die Stärkung der ökologischen Funktion des ländlichen Raumes im Vordergrund. Mittelhessen sei auch ein Kompetenz-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort, der gerade auch bei der von der SPD angestrebten notwendigen Energiewende eine große Rolle spielen könne, sowohl in der Entwicklung und Produktion umweltfreundlicher Energietechnologie als auch als Standort für Anlagen zur Erzeugung und Nutzung regenerativer Energien. Sowohl Ypsilanti als auch der parteilose Bürgermeister von Ulrichstein (Vogelsbergkreis) Erwin Horst griffen in diesem Zusammenhang die Haltung der CDU-Landesregierung scharf an, die den Ausbau der regenerativen Energien mit allen Mitteln behindere und im Wahlkampf eine mit falschen Behauptungen gespickte Anti-Windkraft-Kampagne zu führen versuche. Horst konnte dabei auf die unbestreitbaren Erfolge seiner Gemeinde bei der Erzeugung und Nutzung von Windkraft verweisen. Nicht nur werde der Zuwachs in diesem Bereich nach Kräften behindert, mittlerweile müsse man sogar um die vorhandenen Standorte fürchten, da diese bei notwendigen Erneuerungen oder Modernisierungen um ihre Genehmigungen fürchten müssten.
Auf die Möglichkeiten und derzeitigen Probleme bei der Gestaltung der Technologie- und Wissenschaftsregion Mittelhessen und beim Wissens- und Technolgietransfer ging in einem Vortrag Prof. Dr. Andreas Greiner von der Marburger Philipps-Universität ein. Andrea Soboth vom Institut für Regionalmanagement (Gießen) referierte über die Zukunft des ländlichen Raumes. In Ergänzung zu dem sehr engagierten und mit viel Beifall bedachten Beitrag von Erwin Horst ging auch Fabio Longo vom Verein „Eurosolar“ auf die Möglichkeiten der regenerativen Energien ein und erläuterte den entsprechenden Antrag, den die Delegierten anschließend einstimmig beschlossen. Die ebenfalls einstimmig angenommenen Anträge zur Wissens- und Technologieregion sowie zur Zukunft des ländlichen Raumes wurden von Dr. Thomas Spies (MdL Marburg) bzw. von Manfred Görig (UB-Vorsitzender und Landtagskandidat für den Vogelsbergkreis) erläutert. „Gerade die im Umbau befindliche mittelhessische Region hat erhebliche Potentiale, aber auch Nachholbedarf“, erklärte in seinem Schlusswort Gerhard Merz, der Vorsitzende des gastgebenden SPD-Stadtverbandes Gießen. „Wir haben nur eine Chance, wenn wir uns politisch formieren und mit einer Stimme sprechen und gemeinsam handeln können. Dass dafür nicht die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen worden sind, gehört zu den schweren regionalpolitischen Versäumnissen der Landesregierung. Das werden wir nach unserem Wahlsieg im Januar ändern.“